Seit 2019 steht Domenik Schierl nun schon zwischen den Pfosten des SC Austria Lustenau – am Freitag könnte für ihn in Wien bereits Pflichtspiel Nummer 200 folgen. Vor dem Topspiel beim Floridsdorfer AC haben wir mit unserem Schlussmann über den Sieg am letzten Spieltag, die stabile Defensive und seine bisherige Zeit in Grün-Weiß gesprochen.
Salli Schierli – schön, dass du dir Zeit nimmst. Vergangenes Wochenende durftet ihr in Gleisdorf wieder jubeln. Beim SK Sturm Graz II habt ihr einen 1:0-Sieg gefeiert. Wie wichtig war dieser Sieg?
Extrem wichtig. Nach der verdienten Niederlage gegen die Vienna wollten wir auswärts gleich wieder zurück in die Erfolgsspur und natürlich gewinnen. Das haben wir geschafft. Es war ein schweres Auswärtsspiel. Ich muss aber auch sagen, dass es von beiden Teams kein gutes Spiel war. Um ehrlich zu sein, ging es auch kaum anders – die Platzverhältnisse waren nicht profifußballtauglich. Wenn ich höre, dass am Vortag auf demselben Platz noch ein Regionalliga-Spiel ausgetragen wurde und wir am nächsten Tag ein Profispiel absolvieren, dann ist das einem Verein wie dem SK Sturm Graz eigentlich nicht würdig. Für mich war das komplett unverständlich. Aber egal – Haken darunter. Wir haben die drei Punkte geholt und das ist das Einzige, was zählt.
Du sprichst die Defensive an: In 19 Ligaspielen habt ihr erst 16 Gegentore kassiert, du selbst hast deinen Kasten achtmal sauber gehalten. Was macht eure Defensive aktuell so stabil – und welchen Anteil hat dabei die Arbeit der gesamten Mannschaft?
Wir haben eine enorm eingespielte Defensive. Auch wenn die letzte Saison für die Katz war – schon damals haben wir wenig zugelassen. Das ist in dieser Spielzeit aber noch besser geworden. Wir stehen kompakt. Meine Vordermänner nehmen mir viel Arbeit ab und die Statistiken zeigen: Unsere große Stärke ist die Defensive. Was wir aber noch verbessern müssen, ist die Effizienz nach vorne. Ohne Frage. Aber wie sagt man so schön: Defensiven gewinnen Meisterschaften.
Am Freitagabend wartet das Topspiel beim Floridsdorfer AC – Flutlicht, Primetime. Was erwartest du für eine Partie und worauf wird es für euch besonders ankommen?
Es wird vermutlich ähnlich wie zuletzt in Gleisdorf. Ich erwarte ein kampfbetontes Spiel. Der FAC steht hinten ebenfalls sehr stabil und ist nach vorne extrem effizient. Wir müssen von Beginn an sehr aufmerksam sein und die Chancen, die wir vorne bekommen, eiskalt nutzen. Von der Qualität her sind wir besser – da lege ich mich fest. Aber klar: Über die Bedeutung dieses Spiels müssen wir nicht reden. Es geht gegen ein Top-Team der Liga. Wir wollen gewinnen, das ist unser Ziel.
Das Spiel in Wien wird für dich etwas Besonderes sein. Weißt du warum?
Klar – es ist mein 200. Pflichtspiel für die Austria.
Genau richtig. Wenn du an deine Anfänge hier zurückdenkst: Hättest du dir diese grün-weiße Reise vor sieben Jahren so vorstellen können?
Ich habe mit dem Verein viel erlebt – viele Ups, aber auch Downs. Ich bin stolz darauf, diesen Weg gemeinsam mit Grün-Weiß bisher gegangen zu sein. Natürlich überwiegen die positiven Dinge. Erst vor kurzem habe ich daran gedacht, wie ich vor etlichen Jahren zum ersten Mal mit dem Auto an die Schützengartenstraße gefahren bin. Wenn man sieht, was sich seither alles getan hat, ist das Wahnsinn. Es steht ein neues Stadion hier, ein neues Bürogebäude, ein perfektes Gym – und vieles mehr. Der Verein ist extrem gewachsen. Das verdient einen großen Applaus und ich traue mich zu sagen, dass ich davon ein kleiner Teil bin. Noch einmal: Ich bin extrem stolz darauf, am Freitag die Marke von 200 Pflichtspielen zu erreichen – und hoffe natürlich, dass noch viele weitere dazukommen.
Gibt es ein Spiel oder einen Moment in diesen Jahren, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Der Aufstieg 2022 – ganz klar. Der Moment in Horn, als wir es geschafft haben, und die Woche danach mit den Feierlichkeiten – das ist für mich unvergessen. Da bekomme ich heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke. Wie viel Freude damals in jedem Gesicht zu sehen war – das war unglaublich. Es war eine der schönsten Zeiten in meinem Leben. Und da geht der Blick schon wieder in die nahe Zukunft: Genau das will ich heuer wieder erleben. Und im Anschluss an die Saison dann auch wieder nach Malle (lacht).
Dein Vertrag läuft im Sommer aus – gleichzeitig gibt es aber eine Klausel zur Vertragsverlängerung. Kannst du dir eine Fortsetzung deiner Reise bei der Austria vorstellen?
Aber klar. Wenn wir unser großes Ziel erreichen, verlängert sich mein Vertrag automatisch. Und ich bin selbstbewusst genug zu sagen: Wir schaffen das. Deswegen habe ich keinen anderen Gedanken, als dass ich auch über den Sommer hinaus hier spielen werde.
Abseits des Platzes: Was hilft dir am besten, um nach einem intensiven Spiel abzuschalten?
Das kommt immer darauf an, wie das Spiel ausgegangen ist. Nach Siegen bin ich jemand, der das gerne genießt – ob im Glashaus oder im Austria-Dorf bei den Fans. Diese Momente genieße ich sehr. Nach Niederlagen ist es aber genau das Gegenteil. Dann brauche ich Zeit für mich selbst, um das Spiel zu verdauen. Dann ziehe ich mich zurück und sortiere das Geschehen für mich.
Wenn du keinen Fußball spielen würdest – welchen Beruf hätte Domenik Schierl wahrscheinlich gewählt?
Boah, ganz schwer zu sagen. Für mich gab es, seit ich klein war, nur ein Ziel: Fußballprofi. Ich bin dankbar, dass ich das geschafft habe. Aber wenn ich so darüber nachdenke: In einem Büro wäre ich wahrscheinlich nicht gelandet – dafür bin ich zu laut und zu aktiv (lacht). Ich glaube, ich wäre trotzdem irgendwo im Sportbereich tätig.
Was können sich die Austria-Fans von euch für den weiteren Saisonverlauf erwarten?
Wir werden alles dafür geben, jedes Spiel erfolgreich zu bestreiten. Und wir werden bis zum Ende – bis zum letzten Spieltag – alles daransetzen, unser großes Ziel zu erreichen. Denn: Der SC Austria Lustenau gehört in die Bundesliga. Und dort wollen wir gemeinsam mit unseren Fans wieder hin.
&w=3840&q=100)
Domenik Schierl im Interview vor seinem 200. Pflichtspiel für Grün-Weiß!