NEUE Interview mit Matthias Morys

Freitag, 28 Juni 2019

Interview aus der NEUEN Tageszeitung. Von Johannes Emmerich.

„Die Chance, wöchentlich zu gewinnen“

Austria-Lustenau-Neuzugang Matthias Morys will dem Verein mit Toren und Erfahrung helfen und sieht seinen Wechsel keineswegs als Abstieg.

Sie waren in den vergangenen Jahren Stammspieler beim VfR Aalen in der 3. deutschen Liga. Was verschlägt Sie nun nach Lustenau?
Matthias Morys: Die ersten Gespräche mit Christian (Werner, Sportdirektor bei der Austria; Anm.) gab es schon vor ein paar Monaten. Anfangs war ich schon etwas skeptisch, ein zweites Mal ins Ausland zu wechseln. Ich habe mich in Aalen sehr wohl gefühlt. Als ich mir den Verein hier angeschaut habe, war aber relativ schnell klar, dass ich den Wechsel machen möchte. Die ersten Trainingstage haben mich darin bestätigt, ich fühle mich hier sehr wohl. Es ist alles so, wie ich es mir vorgestellt habe.

Ihr Wechsel wurde bereits Anfang Mai bekannt gegeben. Viele andere Transfers passieren erst jetzt. Warum haben Sie sich so früh für den Lustenau-Transfer entschieden?
Morys: Ich bin inzwischen in einem Alter, in dem man eine gewisse Sicherheit braucht. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits einige Anfragen aus Deutschland, weil unser Abstieg mit Aalen schon sehr früh feststand. Ich wollte schnell Klarheit, ohne herumzupokern.

Wie viel haben Sie vor Ihrem Wechsel über den Verein Austria Lustenau gewusst? Die österreichische 2. Liga wird in Deutschland ja nicht unbedingt verfolgt.
Morys: Ja, da bekommt man weniger mit. Nachdem ich wusste, dass ich wechsle, habe ich mir die Spiele angesehen und mich über alles informiert. Ich kenne einige Spieler, die hier aktiv waren. Mein Schwager (Alexander Aschauer; Anm.) war zwei Jahre bei der Austria. Auch Christopher Knett hat mir einiges erzählt, mit Kevin Kunz habe ich außerdem bei Großaspach zusammengespielt. Sie haben mir nur Positives berichtet. Ich wollte bei einem ambitionierten Verein mit großen Zielen unter Vertrag stehen.

Viele würden einen Wechsel aus dem deutschen Profifußball in die 2. Liga Österreichs als Abstieg bezeichnen. War das kein Hindernis für Sie?
Morys: Nein, überhaupt nicht. Ich empfinde es auch nicht als Abstieg, für mich ist es eine 2. Liga, egal ob Österreich oder nicht. Der deutsche Fußball wird häufig zu sehr hochstilisiert, man darf es nicht übertreiben. In der 3. Liga gibt es zwar mit Kaiserslautern, Braunschweig oder 1860 große Vereine, aber es ist sicher kein Abstieg. Das sehe ich derzeit am Trainingsniveau.

Die Spiele in Deutschland schauen in großen und gut gefüllten Stadien häufig besser aus.
Morys: Optisch ja. Ich kann mich aber an meine Zeit in Leipzig erinnern. Die Testspiele gegen Liefering waren stets enge Partien, und dabei ist Liefering schon lange österreichischer Zweitligist. Ich freue mich auf die Aufgabe, und es ist vieles top in Lustenau. Solch einen guten Rasenplatz wie hier (deutet auf das Spielfeld des Planet-Pure-Stadions; Anm.) findet man auch in Deutschland nicht so häufig. 

Sie haben einige Spiele der Austria gesehen. Ist der Fußball ein anderer, als er etwa in Aalen gespielt wurde?
Morys: Ja, sicher. Wir wollten dieses Jahr in Aalen Fußball spielen und haben dann auf die Fresse bekommen. Die 3. Liga ist eine Kampfliga, in der vor allem auf Konter gespielt wird. Die Defensive und die Standardsituationen sind das Wichtigste. Das merkt man, wenn man sich die Statur der Innenverteidiger ansieht. Vom Fußballerischen wird in Österreich wahrscheinlich technisch sauberer gespielt.

Vor allem körperlich ist ein deutlicher Unterschied zu sehen...
Morys: ...und das braucht es auch. Ich denke, auch in Österreich wäre man erfolgreich, wenn man den richtigen Mix findet zwischen spielerischem Klein-Klein und der körperlichen Robustheit.

Sie sind inzwischen 32 Jahre alt und wechseln zum zweiten Mal ins Ausland. Welche persönlichen Ziele treiben Sie noch an?
Morys: Ich will wieder oben mitspielen. In Aalen hatten wir ein gutes Jahr, allerdings kam uns damals die Insolvenz inklusive Neun-Punkte-Abzug dazwischen. Ich möchte wöchentlich die Chance haben, Spiele zu gewinnen, das war in den vergangenen Jahren nicht mehr so, obwohl ich mich ansonsten in Aalen sehr wohl gefühlt habe.

Sie sind Stürmer...?
Morys: ...eigentlich bin ich Außenbahnspieler. Ich wurde ungewollt zum Stürmer umfunktioniert und kann diese Position auch spielen, vor allem in einer Doppelspitze. Zuletzt musste ich aber zu häufig als Solo-Spitze auflaufen, das ist nicht meine Position. Zum Glück haben wir bei der Austria dieses Problem nicht, weil wir mit Ronivaldo über einen perfekten Mittelstürmer verfügen. Ich fühle mich auf der linken Außenbahn aufgrund meiner Schnelligkeit am wohlsten. Wenn ich dort auf dem Platz stehe, fühle ich mich zu Hause, so bin ich auch ausgebildet worden. Vorne drin ist dagegen immer noch ungewohnt.

Lustenau-Fans haben Sie bisher wohl kaum spielen gesehen. Wie würden Sie sich selbst als Spieler beschreiben?
Morys: Ich lebe von meiner Schnelligkeit, habe auch einen ordentlichen Torabschluss. Das Kopfballspiel werde ich dagegen wohl nicht mehr lernen (lacht), das konnte ich noch nie richtig. In Deutschland hatte ich den Ruf einer Diva, weil ich auf dem Platz rumgemeckert habe, auch mit dem Schiedsrichter. Ich finde, das gehört auch dazu, damit kann man Gegenspieler oder andere Teams in Unruhe versetzen, was schließlich ein Vorteil für die eigene Mannschaft ist. Ich glaube, ich kann eine  Führungsrolle übernehmen und die Jungs mitziehen.

Bei der Austria gibt es viele junge Spieler. In der vergangenen Saison fehlten die Führungsfiguren.
Morys: Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich der ältes­te Spieler in einer Mannschaft. Ich war selbst einmal der junge Wilde, habe damals in der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart gespielt und weiß, wie wichtig es ist, dass die Älteren gewisse Dinge klar ansprechen. Nur auf die Jungen draufzuhauen, bringt nichts, aber nur gestreichelt zu werden, ist auch nicht der richtige Weg.

Zuletzt wurde die Kooperation zwischen der Austria und dem französischen Klub Clermont-Ferrand präsentiert. Ist dies innerhalb der Mannschaft ein Thema?
Morys: Ich habe es mitbekommen, aber ich habe noch keinen Franzosen hier gesehen (lacht). Wenn man voneinander profitieren kann und Spieler je nach Perspektive zwischen den Vereinen wechseln, ist es sehr positiv.

Team VS. Team 2

20.09.2019

Freitag, 19:10 Uhr

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