transfermarkt.at: Christian Werner im Interview

Sonntag, 10 Februar 2019

Am 23. Februar startet Austria Lustenau zu Hause gegen Klagenfurt in die Rückrunde. Die zweite Saisonhälfte dient vor allem der Weiterentwicklung und der Weichenstellung für die kommende Spielzeit, in der die Austria in die Bundesliga aufsteigen möchte. Mit dazu beiträgt Sportdirektor Dr. Christian Werner, der zusammen mit Trainer Gernot Plassnegger am Kader für das große Ziel arbeitet. Sven Bauer sprach mit dem 37-Jährigen, der in der letzten Saison noch Co-Trainer in der Oberliga war, über sein erstes Zwischenfazit, Stadionfragen, Zuschauertabelle, langfristige Planung, Philosophie und Respekt.

Transfermarkt: Herr Dr. Werner, Sie sind seit dem Sommer 2018 in Lustenau und stehen mit Ihrem Team derzeit auf Platz 5 in der 2.Liga. Wie fällt Ihr erstes Fazit nach der Hinserie aus?
Dr. Christian Werner: Sportlich gesehen sind wir mit der Hinrunde zufrieden. Vor der Saison haben wir mit Absicht das Ziel Aufstieg nicht formuliert, da wir wussten, dass die Mannschaft noch etwas zu unerfahren ist, um ein solches Ziel zu erreichen. Die Zielsetzung Aufstieg ist für das zweite Jahr formuliert und so ehrgeizig möchten wir auch an die nächsten eineinhalb Jahre herangehen.

Transfermarkt: Mit welchen Zielen geht Trainer Plassnegger in die zweite Saisonhälfte?
Dr. Werner: Die Weiterentwicklung der jungen Mannschaft im taktischen und mentalen Bereich steht hier im Vordergrund. Wir werden natürlich versuchen, uns auch tabellarisch gut zu platzieren, aber vor allem werden wir die Zeit nutzen, um die richtigen Personalentscheidungen für die Zukunft zu treffen. 

Transfermarkt: Wie oft und intensiv kommunizieren Sie, inwieweit können Sie Plassnegger unterstützen?
Dr. Werner: Gernot und ich haben ein sehr gutes Verhältnis und tauschen uns logischerweise häufig aus. Grundsätzlich ist eine intensive Kommunikation Grundlage jeder erfolgreichen Zusammenarbeit. Hierbei muss man auch nicht immer einer Meinung sein – solange man die gleiche Fußballphilosophie teilt, findet man auch immer eine gemeinsame Basis. 

Transfermarkt: An welchen Stellschrauben wird im Winter gedreht, wie sieht der Fahrplan aus?
Dr. Werner: Die Vorbereitung hat gut begonnen. Der viele Schnee stellt uns zwar etwas vor Herausforderungen, aber grundsätzlich haben wir hier in der Umgebung sehr gute Bedingungen. Bisher haben wir gegen Ravensburg und Heidenheim getestet und konnten einige wichtige Erkenntnisse gewinnen. Des Weiteren finden Spiele gegen Memmingen und Wacker Innsbruck II statt. Auf dem Transfermarkt werden wir nur zuschlagen, wenn ein außergewöhnlicher Spieler zu haben wäre. Viel mehr richten wir unser Augenmerk auf einige Spieler im Kader, denen wir Eingewöhnungszeit gegeben haben. 

Transfermarkt: In den ersten Partien der 2.Liga geht es allesamt gegen Vereine, die unter der Austria stehen. Schielen Sie ein wenig in Richtung Tabellenspitze, wo möchten Sie mindestens landen?
Dr. Werner: Nein. Meiner Meinung nach machen Wattens und Ried den Aufstieg untereinander aus. Wir haben elf Punkte Rückstand und tun gut daran, nur auf uns zu schauen.

Transfermarkt: Wie sieht Ihre langfristige Planung in Lustenau aus: Wohin soll es sportlich, aber auch finanziell gehen?
Dr. Werner: Wir wollen aufsteigen! Das ist das große sportliche Ziel und da werden wir unsere ganze Energie investieren. Es soll nicht nur eine Ansage sein, sondern Ausdruck dessen, dass wir an einem Aufstiegskonzept arbeiten. Um das zu schaffen, brauchen wir auch ein entsprechendes Budget und das wird für den Verein eine große Herausforderung, der wir uns aber stellen.

Transfermarkt: Als Sportdirektor haben Sie viele Themengebiete. Wie verläuft ein Arbeitstag bei Ihnen, um was genau kümmern Sie sich?
Dr. Werner: In Lustenau ist der Sportdirektorenjob nochmals anders interpretiert als bei anderen Vereinen. Hier ist man nicht nur für das Sportliche, sondern auch für Pressearbeit, Scouting, Teammanagement, Fanaustausch, Sponsoring etc. mitverantwortlich. Diese Mannigfaltigkeit in den Aufgaben war auch ein Grund, warum ich mich für diesen Job in Lustenau entschieden habe. Es gibt selten Möglichkeiten im Profifußball, in kurzer Zeit so viel aus so unterschiedlichen Bereichen zu lernen.

Transfermarkt: Bezüglich des Stadions gibt es derzeit zwei Baustellen. Auf der einen Seite klagt eine Nachbarin aufgrund des Lärms und der Beleuchtung. Wie gehen Sie mit dieser Thematik um?
Dr. Werner: Die Problematik mit der Nachbarin besteht bereits seit vielen Jahren. Bei Konflikten, die seit solch langer Zeit bestehen, haben sich häufig die Fronten so verhärtet, dass ein Kompromiss schwer erreichbar ist. Aus Vereinssicht hoffe ich, dass hier schnellstmöglich eine gute Lösung gefunden wird, mit der beide Seiten gut leben können.  

Transfermarkt: Auf der anderen Seite steht ein neues Stadion im Raum. Wie sieht die Planung aus?
Dr. Werner: Das neue Stadion wird ein wirkliches Schmuckkästchen. Vereinfacht ausgedrückt wird unser Stadion nicht größer, sondern vor allem schöner, moderner und nachhaltiger. Mit diesem nachhaltigen Ansatz wollen wir uns eine besondere Stellung erarbeiten und sind offen für Sponsoren, die ein derartiges Konzept unterstützen möchten.

Transfermarkt: Bisher kamen zu den Heimspielen in der Spitze 2000 Zuschauer. Wie zufrieden sind Sie damit, wie können weitere Fans ins Stadion gelockt werden?
Dr. Werner: Wir gehören noch immer zu den Spitzenteams der Zuschauertabelle, müssen aber auch konstatieren, dass wir die Auswirkungen der neuen 2. Liga merken (Aufstockung von 10 auf 16 Klubs, Anm. d. Red.). Ich bin mir aber sicher, dass der Zuschauerzuspruch passt, wenn wir sportlich wieder ganz oben anklopfen und um den Aufstieg mitspielen. Wir werden uns auch noch aktiver um mehr Zuschauer bemühen, indem wir gezielt Aktionen setzen und auch einen langfristiges Konzept erarbeiten, das sich nicht nur auf die Spiele konzentriert, sondern vor allem darauf abzielt, wieder Leute für die Austria zu begeistern.

Transfermarkt: Wenn es um Kaderplanung geht, dann haben Sie in Ihrer Funktion auch negative Aufgaben zu erledigen. Beispiel Christoph Kobleder, der von Trainer Plassnegger nicht mehr berücksichtigt wurde und nun seinen Vertrag auflöste. Wie schwer ist so etwas zu händeln?
Dr. Werner: Es gehört zu meinem Job, auch harte Entscheidungen zu treffen und diese zu kommunizieren. Ich denke, es ist wichtig, dass man hier zwischen Mensch und Entscheidung differenziert. Auch wenn ich negative Entscheidungen kommuniziere, möchte ich dennoch respektvoll mit den Menschen umgehen. Ein Spieler oder Trainer ist ja nicht per se schlecht, nur weil wir uns gegen ihn entscheiden. Häufig passt er einfach nicht in die Philosophie des Vereins. Möchte der Trainer Angriffspressing spielen, werde ich natürlich versuchen, Innenverteidiger zu verpflichten, die genügend Tempo haben, um die taktische Ausrichtung zu unterstützen. Ein Spieler ab einem gewissen Level kann nicht grundsätzlich schlecht sein, sondern man muss eher analysieren, ob sein Anforderungsprofil zur Philosophie passt.

 

Transfermarkt: Ab wann beginnen für Sie die Planungen für den Sommer, beispielsweise die Verlängerung von Verträgen?
Dr. Werner: Die Austria hat in den letzten Jahren sehr spät Verträge verlängert. Dafür gab es wohl auch gute Gründe, aber ich möchte in der Zukunft langfristiger planen. Es ist wichtig, Leistungsträger frühzeitig an den Verein zu binden, um nicht jedes Jahr im Sommer erneut einen Umbruch durchführen zu müssen. Fluktuation im Stammpersonal behindert sportlichen Erfolg und sollte bestmöglich unterbunden werden.

Transfermarkt: Sie sichten natürlich auch potenzielle Neuzugänge. Was ist Ihnen persönlich - unabhängig von der sportlichen Klasse - bei einem Spieler wichtig?
Dr. Werner: In Zeiten, in denen durch Instat oder Wyscout die sportliche Leistungsfähigkeit gut einschätzbar ist, wird die menschliche Komponente häufig zu wenig beachtet. Ein Spieler kann noch so viel fußballerisches Potential haben, perfekt in die Spielphilosophie des Vereins passen, noch so gute Leistungstests vorweisen und dennoch kann er nicht der Richtige sein. Die menschliche Komponente – Motivation, Einstellung, Lebenswandel, etc. – ist mindestens so wichtig wie die oben erwähnten Parameter. Ich glaube, wenn diese Komponente unterschätzt wird, besteht ein großes Risiko, Fehltransfers zu tätigen. Ich führe mit Neuzugängen viele Gespräche. Dieses Bild muss man aber vervollständigen, indem man sich über den Leumund des Spielers informiert. Hier ist es nun wichtig, dass das eigene Netzwerk so gut ist, dass man ehrliche und detaillierte Antworten erhält. Am besten von ehemaligen Mitspielern, Trainern und Betreuern. Kann man hier möglichst viele Einschätzungen zusammen tragen, ergibt sich ein detailliertes Persönlichkeitsbild, das mir dann hilft, den Spieler einzuordnen. Zwar ist man dann immer noch nicht sicher, dass man keine Fehlentscheidung trifft, aber man minimiert die Wahrscheinlichkeit eines Fehltransfers. Mit Kevin Kunz habe ich mich unzählige Male ausgetauscht. Für ein Gespräch mit einem sehr interessanten Spieler bin ich auch schon mal fast 1000 km gefahren.

Transfermarkt: Sie waren bis Ende Mai noch Co-Trainer in Freiberg in der Oberliga - heute Sportdirektor in Österreichs zweiter Liga. Wie kam es zu dem Sprung?
Dr. Werner: Die ersten Kontakte gab es schon im Herbst letzten Jahres. Der Kontakt ist dann nie abgerissen und letztendlich bin ich auch froh, diesen Schritt gewagt zu haben. In Freiberg war ich ja kein klassischer Co-Trainer. Ich habe mich zusätzlich um Spielertransfers gekümmert, konnte unter anderem Streli Mamba und viele andere Spieler zu Freiberg lotsen. Ich hatte dort auch einfach Glück, dass mir Freibergs Präsident, den ich persönlich sehr schätze, viele Freiheiten gegeben hatte.

Transfermarkt: Wie konnten Sie die Verantwortlichen bei Lustenau von Ihrer Person überzeugen?
Dr. Werner: Fußballtrainer haben natürlich eine Philosophie, wie sie Fußball spielen lassen wollen, dies gilt auch für Sportdirektoren. Wir haben das Glück, auf einer Metaebene Fußball analysieren zu dürfen. Somit hat auch jeder Sportdirektor eine Philosophie, wie er arbeiten möchte. Ein Verein tut gut daran, eine Philosophie von Fußball zu haben und darauf basierend einen Sportdirektor zu verpflichten. Dieser ist dann verantwortlich, dass Trainer und Spieler angestellt werden, die diese Philosophie erfüllen können. Bleibt sportlicher Erfolg aus, können einzelne Bausteine – auch der Sportdirektor – ausgetauscht werden, ohne dass die Philosophie des Vereins geändert werden muss. In einem Bewerbungsgespräch ist es mir wichtig, die Philosophie des Vereins aufzunehmen und weiterzudenken. Im Fußball ist es nicht nur wichtig, ein Topnetzwerk zu haben, sondern dieses auch gut kategorisiert zu haben. Welcher Trainer steht für welche Idee Fußball zu spielen, welche Stärken und Schwächen haben welche Spieler usw...

Transfermarkt: Sie arbeiten zum ersten Mal in Österreich. Wie sind Sie aufgenommen worden, wo und wie leben Sie?
Dr. Werner: Ich bin sehr nett aufgenommen worden in Lustenau und habe viele nette Menschen kennengelernt. Ich habe hier eine Wohnung, bin aber gerade auch viel unterwegs. Da ich fußballverrückt bin, versuche ich mich ständig mit meinem Lieblingsthema zu beschäftigen. Da kommt es auch vor, dass ich samstags bis um 10 Uhr abends im Büro sitze und Spiele analysiere und mich wie ein kleines Kind freue, wenn ich dann sonntags die Freiheit habe, mir draußen drei Spiele nacheinander anschauen zu können und mir die Fahrt mit meinem Lieblingsfußballpodcast „Rasenfunk“ versüße.

Transfermarkt: Im Sommer 2019 ziehen Sie ein positives Resümee, wenn...
Dr. Werner: Lustenau die unruhige Zeit gut überstanden hat und gestärkt in die Zukunft geht.

Transfermarkt: Ihr Ex-Club Freiberg, das von Ihrem langjährigen Kollegen Ramon Gehrmann trainiert wird, befindet sich im Aufstiegskampf in die Regionalliga. Wie sehr verfolgen Sie das Rennen und haben Sie noch viele Kontakte dorthin?
Dr. Werner: Wenn man so lange bei einem Verein gearbeitet hat, interessiert es einen sehr, wie es dort weitergeht. Ich habe diese Saison vier Spiele auch live verfolgt, weil es einfach Spaß macht, die Mannschaft anzuschauen. Ich liebe es, Mannschaften zu beobachten, die einen klaren Plan haben und man die Handschrift des Trainers sofort erkennt. Ramon Gehrmann ist einfach ein herausragender Trainer und ein super Typ. Ohne unfair gegenüber den Konkurrenten zu sein, denke ich, dass Freiberg den stärksten Kader und den besten Trainer der Liga hat und folglich auch aufsteigen wird.

 

Transfermarkt: Was machen Sie, wenn Sie sich nicht gerade mit Fußball befassen?
Dr. Werner: Ich habe in den letzten Monaten viel Zeit mit meiner Arbeit verbringen dürfen und ein paar Kilos zugelegt. Jetzt muss ich in Zukunft mal wieder öfters selber Sport machen. Ich spiele gerne Tennis und muss mal wieder regelmäßiger zum Laufen in die Natur.

Transfermarkt: Wir bedanken uns recht herzlich für das Gespräch und wünschen Ihnen für die weitere Zukunft alles Gute.

Original erschienen auf transfermarkt.at (10.02.2019)

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