NEUE-Interview: Christian Werner im Gespräch

Mittwoch, 17 Oktober 2018

Austria-Sportdirektor hat sich mit Johannes Emerich von der Neue Tageszeitung Vorarlberg getroffen und dabei über seine Rolle im Verein, Spielertransfers und warum Salzburg im Cup Probleme bekommen wird, gesprochen. An dieser Stellte ein großes Dankeschön an Johannes Emerich und die Neue Tageszeitung für das bereitstellen des Interviews.

Sie sind inzwischen seit gut vier Monaten Sportdirektor bei Austria Lustenau. Wie lautet ihre erste Zwischenbilanz?
Sie ist positiv. Ich habe die Austria kennengelernt, habe viele Gespräche geführt und neue Menschen getroffen. Grundsätzlich bin ich zufrieden. Natürlich muss man zwischen Verein und Profimannschaft differenzieren und festhalten, dass der Verein eine Familie und damit etwas anderes ist, als man sich in Deutschland gemeinhin einen Profiverein vorstellt. Das Familiäre ist ein Alleinstellungsmerkmal der Austria, so viel Menschlichkeit ist im heutigen Profifußball sehr selten.

Gehen wir ein paar Monate zurück. Sie haben in Freiberg als Co-Trainer und in Stuttgart an einem Gymnasium für Hochbegabte gearbeitet. Was war der Reiz, bei der Austria als Sportdirektor anzufangen und alles hinter sich zu lassen?
Das Risiko war mir durchaus bewusst, aber ich sehe hier eine große Chance für mich persönlich. Ich kann das Geschäft von Grund auf lernen und Erfahrungen machen, die ich in meinem weiteren Leben gut gebrauchen kann. Mein Hauptbeweggrund war aber das große Potenzial der Austria.

Der Beruf Sportdirektor ist für Sie Neuland. Welches sind für Sie bisher die größten Überraschungen an Ihrer neuen Arbeit?
Ich glaube, dass der Sportdirektor bei der Austria eine besondere Stelle ist. Wir erarbeiten sehr viel als Team und sprechen vieles ab. Im Vorfeld denkt man vor allem ans Sportliche, das reale Aufgabengebiet geht aber weit darüber hinaus. Das macht es einerseits komplizierter, aber auch interessanter. Ich bin Teammanager, Sportdirektor, verantwortlich für Aktionen im Stadion, bin dafür zuständig, dass wir uns im Marketing modifizieren und habe mit Sponsoren zu tun. Häufig gehe ich nach 14 Stunden aus dem Büro und denke mir, ich bräuchte weitere vier Stunden.

Sie sind jemand, der viele Ideen mitbringt und vieles anstoßen will. Werden diese Ideen im Verein gehört?
Der kritische Blick der Austria ist nicht verkehrt. Nicht alles was modern ist, ist automatisch gut. Ich habe schon das Gefühl, dass ich ernst genommen werde und meine Ideen gehört werden. Mir ist wichtig, dass wir einen kritischen Austausch haben. Nicht alle Ideen sind gut, aber ich entwickle mich weiter.

Sie haben etwa die Kooperation mit der Universität Passau eingefädelt, die neue Potenziale in der Trainingssteuerung und Leis­tungsdiagnostik eröffnen soll ...
Da stehe ich voll dahinter, weil der Austausch sehr lebendig ist. Trotzdem sind Ko­-ope­rationen immer schwierig. Seit dreieinhalb Monaten bemühe ich mich um eine Zusammenarbeit mit einem Verein in Deutschland. Aber auch da verrennt man sich manchmal, ich habe etwa mit Hoffenheim oder Eintracht Frankfurt viel gesprochen.

Austria-Präsident Hubert Nagel hat vor knapp einem Jahr eine Kooperation mit einem Champions-League-Teilnehmer angekündigt. Seitdem ist nicht mehr viel passiert. Gibt es eine neue Entwicklung in dieser Causa?
Ich möchte hier meine Erfahrung einbringen, dann kann man die Situation richtig einordnen. Als kleiner Verein ist man vor allem Bittsteller. Einem größeren Verein kann man maximal die eigenen Vorteile aufzeigen, und selbst wenn diese Vorteile faktisch belegbar sind, kann sich der Große immer noch ohne Begründung dagegen entscheiden. Es ist schwierig, etwas Passendes zu finden. Um die Frage zu beantworten, ich glaube es gibt derzeit nichts Neues.

Sie haben das große Potenzial der Austria angesprochen. Woran erkennen Sie, dass mehr im Verein steckt als er momentan zeigt?
Ich wollte zu Beginn die Lage in Lustenau genau analysieren und habe viele Gespräche geführt, sowohl mit den Fans, den Sponsoren als auch dem Trainer und der Mannschaft. Der Input zeigte, dass viele nur auf den Erfolg warten. Ich habe mit Sponsoren gesprochen, die sich vorstellen können, wieder zu investieren. Wir brauchen nur größeren sportlichen Erfolg, dann können wir wieder ein Feuer entfachen. Dafür muss man nicht vom Aufstieg sprechen. Die Austria ist für viele Fans das Leben.

Woran erkennen Sie diese Leidenschaft?
Ich konnte mich davor gar nicht so recht hineinversetzen, aber ich erinnere mich an das Auswärtsspiel in Linz. Ich bin damals mit Kevin Kunz nachgefahren, weil wir in der Früh noch im Krankenhaus waren. Es waren Strapazen, die wir auf uns genommen haben. Im Stadion sieht man dann über 40 Fans, die das jede zweite Woche auf sich nehmen. Da steckt so viel Herzblut drin, das begeistert mich.

Die Austria hat unbestritten einen harten Kern an Fans. Die Zuschauerzahlen sind jedoch – nach der Ligareform wenig überraschend – rückläufig. Glauben Sie, dass in Vorarlberg überhaupt wieder eine Fußballeuphorie möglich ist?
Ja. Ich glaube, dass das Umfeld eine Euphorie zuließe.

Mit dem Lokalrivalen Altach gibt es eine jahrelange Rivalität. In den vergangenen Jahren scheinen die Gräben eher tiefer geworden zu sein. Ist es denkbar, dass die Vereine irgendwann näher zusammenfinden und beispielsweise Spielerleihen untereinander möglich werden?
Ich habe eine andere Meinung als viele, für mich geht es rein ums Sportliche. Da ich aus Stuttgart komme, kann ich mit der Rivalität nichts anfangen. Jede Entscheidung treffe ich danach, die Austria sportlich besser zu machen. Egal ob ein Spieler aus Altach, Ulm oder Brasilien kommt, wichtig ist, dass er uns weiterhilft. Ich würde es aber auch transparent machen und mit den Fans darüber sprechen. Auch Testspiele kann ich mir durchaus vorstellen. Vielleicht bin ich aber der falsche Ansprechpartner, weil ich nicht aus der Region komme. Ich versuche alles professionell zu sehen und die Emotionalität etwas rauszunehmen.

Kommen wir zum Sportlichen. Nach einem guten Start ist Austria Lustenau in eine Ergebniskrise geschlittert. Wo würden Sie die Mannschaft nach zehn Runden einordnen?
Schwierig. Unsere vielen Verletzten verfälschen das derzeitige Ergebnis. Dieses Pech hatten die anderen Vereine noch nicht. In der 2. Liga ist niemand so breit aufgestellt, dass er den Ausfall von drei Leistungsträgern auffangen kann – außer Liefering, die können jeden Verlust ausgleichen. Auch Ried würde keine drei, vier Leistungsträger gleichwertig ersetzen können. Unsere Mannschaft hat schon tolle Auftritte gezeigt, sie lässt auch stetig die Qualität durchblitzen. Aber die Mannschaft ist jung und hat eine eigene Struktur. Wir waren im Vorfeld auch immer realistisch. Ich habe nie vom Aufstieg gesprochen. Wir müssen unser junges Team so weiterentwickeln, dass es im kommenden Jahr den nächsten Schritt machen kann.

Im Sommer gab es den beabsichtigten Abgang einiger Routiniers. Zusätzlich mussten Sie einiges an Budget einsparen. Sind Sie im Nachhinein mit der Kaderplanung zufrieden oder zeigen die Verletzungen, dass man anders hätte handeln sollen?
Wir haben die Entscheidungen als Team getroffen und ich denke, dass sie alle sinnvoll waren. Wir mussten sparen, weil das Fernsehgeld weggefallen ist und wir weiterhin ein gesunder Verein sein wollten. Jodel Dossou hätte man wahrscheinlich gerne gehalten, aber Vereine aus der Schweiz oder der Bundesliga zahlen das Drei- oder Vierfache. Wenn wir das Spielchen mitmachen und sagen, bei uns bekommst du die gleiche Summe, spielt Lustenau bald in der Regionalliga.

Gibt es einen Standortnachteil in Vorarlberg? Österreicher sind häufig nur schwierig ins Ländle zu bekommen, dazu haben die Vereine westlich des Rheins deutlich größere finanzielle Möglichkeiten.
Ja, das würde ich so unterschreiben. Die Konkurrenz durch St. Gallen oder Vaduz ist groß. Ich kann einen Spieler mit einer Idee überzeugen, indem ich ihm aufzeige, welche Möglichkeiten sich ihm für seine weitere Karriere bieten. Ich kann aber keinen Spieler mit Geld überzeugen. Kevin Kunz habe ich zur Austria bekommen, weil ich ihm gesagt habe: „Für deine Karriere ist hier genau die richtige Konstellation. Du kannst dich als Führungsspieler in der zweiten Liga weiterentwickeln. Das wäre in der dritten Liga in Deutschland nicht möglich gewesen, denn dort gibt es überall gestandene Profis. Hier bist du der Leader.“

Sind in der Winterpause Kaderveränderungen geplant?
Marginal. Es könnte einzelne Abgänge geben, der Fokus liegt eher auf der kommenden Sommertransferperiode. Unser Kader ist perspektivisch hochinteressant. Wenn alle fit sind, wird es schwierig, uns zu schlagen. Auch für RB Salzburg.

Auf den Meister treffen sie in zwei Wochen im Cup...
Viele werden mich für verrückt erklären, aber wir werden sie fordern. Marcel Canadi kehrt zurück, Kunz spielt mit, William ist wieder dabei. Ich möchte keinen schlecht reden, der zuletzt eingesprungen ist, aber Kunz gehört zu den besten Keepern der Liga, Canadi hat einen unwiderstehlichen Drive zum Tor, er ist jemand, der den Unterschied ausmachen kann.

Wie groß ist die Vorfreude auf das Cupspiel?
Extrem groß. Ich freue mich riesig. Nach der Auslosung habe ich gesagt, ich hätte ein weinendes und ein lachendes Auge, inzwischen sind es zwei lachende. Es wird ein tolles Spiel mit dem Besten, was Östereich zu bieten hat.

Erschienen in der NEUE Vorarlberger Tageszeitung (Nr. 243) am 17. Oktober 2018, verfasst von Johannes Emerich

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